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esau+griesenberg planung

Prinzenpalais Ludwigslust

1. Städtebau/Baukörper

Vom Schloß läuft eine Achse in Nord-Süd-Richtung, die im Bassin von einer Ost-West-Achse gekreuzt wird. Die barocke Anlage wird durch diese Axialität stark geprägt.

 

Der vorhandene Baukörper des Prinzenpalais bleibt in seiner Substanz und seiner außenräumlichen Prägnanz unangetastet. An die hohen zweigeschossigen Flügelbauten wird der dreigeschossige U-förmige Neubau angelagert. Ausgewiesene Dreigeschossigkeit erzeugt eine angemessene Spannung zwischen den Gebäudeteilen; Alt- und Neubau setzen sich durch Fugen deutlich voneinander ab, stehen gleichberechtigt nebeneinander.

Der Neubau ist analog der Blockbebauung in Einzelhäuser gegliedert, so daß die vorhandene "Körnung" der Umgebung aufgenommen wird. Am östlichen Ende der Anlage formulieren zwei Kopfbauten gleichzeitig das jetzige Ende der Wohnanlage sowie den Übergang zum öffentlichen Bereich des Blockinnenraumes.

Die neue Wohnanlage hinter dem Prinzenpalais ist durch die Lage im Innern des Blocks, der von der Schloßstraße, Gartenstraße, Clara-Zetkin-Straße und Am Bassin gebildet wird, sehr ruhig gelegen. Die Wohnungen haben aber alle Vorteile der zentralen innerstädtischen Lage.

Die konsequente Fortführung des historischen Ensembles läßt eine fließende Abfolge von qualitativ unterschiedlichen und klar definierten Außenräumen entstehen. Vom barocken Platz Am Bassin gelangt man nach Durchschreiten des Prinzenpalais in einen offenen Innenhof  (evtl. glasgedeckte Halle), die von den alten Flügelbauten und dem Nord-Süd-Riegel der neuen Wohnanlage umschlossen wird. Durch den erdgeschossig offenen Bereich des Nord-Süd-Riegels betritt man den begrünten Wohnhof, in dem durch die offene Erschließung der Wohnungen und seine Aufenthaltsqualität eine kommunikative aber geborgene Atmosphäre herrscht. Schließlich gelangt man von hier durch die Torsituation der östlichen Kopfbauten in die Park- und Gartenanlagen des Blockinnenhofes.

Die Außenfassade des Neubaus ist als ruhige, flächige Lochfassade abgedacht, die durch Loggien und die Glasfugen, in denen sich die Treppen befinden, gegliedert wird. Zum Innenhof hingegen sind die Fassaden durch die offenen Laubengänge und dahinterliegende Vor- und Rücksprünge geprägt. Dadurch ergibt sich eine Belebung der Erschließungsbereiche, es entstehen vielfältige Ein- und Ausblicke.

                   

2. Erschließung

Die Wohnanlage wird auf der nördlichen Seite über eine Vorfahrt aus Richtung Schloßstraße erreicht. Der Vorplatz, an dem sich auch die notwendigen Stellplätze befinden, führt auf den deutlich markierten Eingang zu. Man gelangt in die Eingangshalle, die als zentraler Verteiler für die Bewohner fungiert, von dem aus alle Bereiche der Anlage auf kurzem Wege zu erreichen sind. An dieses Foyer lagert sich ein Umlauf um den Innenhof zwischen Prinzenpalais und der neuen Bebauung an. Von diesem Ring zweigen die Laubengänge in die einzelnen Bereiche der Wohnanlage ab. Die geradlinig durchgeführte Erschließung fördert die Orientierung der Bewohner. Sie ist barrierefrei und so groß dimensioniert, daß auch den Belangen des Krankentransports Rechnung getragen wurde. Es entstehen zahlreiche Nischen zum Plaudern und Verweilen. Die Übergänge zwischen öffentlicher, gemeinschaftlicher und privater Nutzung sind fließend, aber dennoch klar ausgeprägt, um gemeinsames Wohnen und Leben anzubieten, aber auch die privaten Bereiche der Bewohner zu respektieren.

Der Zutritt zum Cafe, zu Veranstaltungen im Innenhof und zu dem sozio-kulturellen Zentrum im Obergeschoß erfolgt über den Eingang des Zentralbaus des Prinzenpalais vom Platz Am Bassin aus, so daß eine deutliche Trennung der Erschließung von öffentlicher und privater Nutzung entsteht. Durch das Angebot des zentralen Innenhofes als Veranstaltungs- und Begegnungsraum für die Bewohner aber auch für Besucher soll gewährleistet werden, daß selbst für die Bewohner, die die Anlage nicht mehr so oft verlassen können, ein Bezug zur "Außenwelt" erhalten bleibt und eine Integration der Bewohner in ihrem Stadtviertel erleichtert wird.

3. Raumprogramm

Philosophie des Entwurfes ist, bei größtmöglicher innen- und außenräumlicher Qualität den Bewohnern das Umfeld für einen attraktiven, aktiven Lebensabend anzubieten. Kommunikative Zonen im jeweiligen Wohnungsvorbereich sind hierbei ebenso wichtig wie Räumlichkeiten für eine vielschichtige Freizeitgestaltung allein und in der Gemeinschaft. Die Wohnung als Rückzugsbereich und der Austritt aus "den eigenen vier Wänden" in die Gemeinschaft hinein sind nicht nur Symbolik, sondern in Form des Wohnhofes räumlich umgesetzt.

Der Entwurf bietet unterschiedliche Wohnungsgrößen an, wobei davon ausgegangen wurde, daß etwa ein Drittel der Bewohner die Anlage als Paare beziehen werden. Die Wohnungen sind altengerecht als Zwei-Zimmer-Appartements mit eigener Küche und Duschbad konzipiert. Jede Wohnung verfügt über einen eigenen Balkon bzw. Loggia, über einen dem Gangsystem zugeordneten Freibereich, sowie über einen zusätzlichen Abstellraum im Keller des Neubaus, wo sich außerdem auch die Haustechnikräume befinden.

Der zentral gelegene Gemeinschaftsbereich im EG bietet Räumlichkeiten der aktiven Freizeitgestaltung (multifunktionale Räume für Gymnastik, Basteln, Seminare, Feiern und Spiele, sowie eine Mediathek mit Internetanschlüssen und Bücherei), der ärztlichen Versorgung, Therapie und für Verwaltungszwecke. Zusätzlich befinden sich im Keller ein Fahrradraum, ein Werk- und ein Naßraum, z.B. für Töpferarbeiten.

Die multifunktionalen Räume können auf Grund ihrer Lage im Gebäude auch von Dritten für Seminare und Sitzungen angemietet werden, ohne das Leben in der Wohnanlage zu tangieren. Auch der glasgedeckte Innenhof, der den Bewohnern einen witterungsgeschützten "Außenraum" bietet, steht z.B. für kommunale und kulturelle Veranstaltungen zur Verfügung. Durch dieses Konzept wird eine bessere Auslastung der verfügbaren Flächen erreicht und der Kontakt der Bewohner zu Kultur und "Außenwelt" bleibt auf kurzen Wegen erhalten.

Das Cafe im EG des Prinzenpalais wird von einem privaten Unternehmer betrieben. Er bietet neben seinem Restaurantbetrieb, der sich im Sommer als "Biergarten am Bassin" ausweiten kann (auch als Ziel für Touristen), für die Bewohner der Anlage die nötige Versorgung (Mittagstisch usw.).

Im Obergeschoß des Prinzenpalais wird vorgeschlagen, ein sozio-kulturelles Zentrum einzurichten. Auf Grund der öffentlichen Bedeutung des Prinzenpalais und der hier vorhandenen großen Raumhöhen wird von der Möglichkeit des Wohnens im Zentralbau abgesehen. Im nördlichen gelegenen Fachwerkbau kann ein geronto-psychatrisches Zentrum untergebracht werden, um im Falle der Pflegebedürftigkeit ein Verbleiben der Bewohner in ihrem angestammten Umfeld zu ermöglichen. Auf die Einrichtung von Gästezimmern innerhalb der Wohnanlage wurde verzichtet, da sich in unmittelbarer Umgebung ein Hotel befindet.

 

Es handelt sich um den verkürzten und aktualisierten Text des Architektengutachtens.
egp esau+griesenberg planung, Ahrensburg